Kakao und Koka

Urwaldgarten. Vor der doppelstöckigen Hütte eine große Papayapflanze, Manjok, Banane und Avocado

Kakaopflanzen und Kokapflanzen haben etwa die selben Wachtumsbedingungen – feucht und warm. Es ist also durchaus möglich, statt der illegalen Koka-Pflanze die legale Kakaopflanze anzubauen. In den Urwaldgärten der Kleinbauern wachsen sie gelegentlich auch gemeinsam.

Kokastrauch mit Früchten (hagebuttenähnlich)

Diskussion in einem Urwaldgarten mit Mabel Rueda (wissenschaftliche Mitarbeiterin), Mitarbeitern der UNO (UNEP) Mitgliedern einer Kooperative. Thema: Die Bekämpfung der Monilia-Krankheit. der Urwaldgarten bestand aus Banane, Kakao, Avocado und Kaffee.

Das Programm der kolumbianischen Regierung mit dem Koka durch Kakao ersetzt werden soll, ist nicht neu. In manchen Gebieten Kolumbiens ist es auch erfolgreich. So traf ich auf meinen Reisen zur Kakaosuche am mittleren Rio Magdalena  mehrmals Kakaobauern, die zuvor in großem Stil Koka angebaut hatten. Ich befragte sie, warum sie das lukrative Geschäft mit dem Koka aufgegeben haben, und stattdessen Kakao anbauen:

Bei der Ernte werden die Blätter eines Kokastrauches gepflückt.

Das größte Problem sei der illegale Anbau. Dadurch wird jeder Kokapflanzer erpressbar durch korrupte Regierungsbeamte, Guerilla, Paramilitärs und sonstige Banditen. Alle wollen teilhaben am Gewinn, sodass letztendlich nicht mehr viel übrig bleibt. Zudem bestünde das Risiko der Koka-Pflanzenvernichtung durch die Behörden. Dann dauert es wieder 2-3 Jahre ohne Einkommen, bis die Sträucher wieder zu beernten sind. Schließlich würden bei Koka die Blätter geerntet, und die braucht die Pflanze, um rasch zu wachsen. Ein wichtiges Argument gegen Koka sei ferner die fehlende Zukunftsfähigkeit und damit ein Problem für die Zukunft der Kinder.

Die tropische Provinz Caqueta ist extrem unterentwickelt. Industrie gibt es nicht, der Transport verläuft auf schmalen unbefestigten Wegen und vor allem auf Flüssen. In diesen Gebieten ist der Kokaanbau eine wichtige, jedoch illegale, Erwerbsquelle.

Ein Urwaldgarten mit Koka (rechts Mitte), Kakao (unten) und diverse andere Kulturpflanzen

Aus diesen abgelegenen Gebieten kommt der Kakao, den wir im Schoko-Braunschweig-Löwen verarbeiten. Die derzeit etwa 70 Kleinbauernfamilien leben weit verstreut in Gebieten, die nur mit Pferd und zu Fuss erreichbar sind. Die Bauern leben in einfachen Holzhütten. Das Leben spielt sich meistens draußen ab.

 Kleinbauern mit der Kakao-Ernte vor dem Öffnen der Früchte..

In ihren Urwaldgärten von etwa 2-5 ha bauen sie Pflanzen an, die der täglichen Ernährung dienen, gelegentlich auch auf heimischen Märkten verkauft werden und die, wie der Kakao, auch international vermarktet werden – sofern sich eine Kooperative darum kümmert. Auch Koka wird gelegentlich angebaut, deren Blätter verkauft und in den sog. Dschungellaboratorien in Kokainpaste verarbeitet werden. Noch kommt der Kakao für den Schoko-Braunschweig-Löwen aus einigen Urwaldgärten in den auch einige Kokasträucher stehen. Das soll sich ändern, und dafür bekommen die Bauern einen 20 % höheren Kakaopreis, verglichen mit dem Marktpreis.

 Mit meinem Besuch platzte ich in eine Beratungskonferenz von Kleinbauern. Gerne wurde sie unterbrochen, denn es gab was zu feiern – nämlich den Besuch!